Breaking up

February 1st, 2009

Breaking up

Wenn Affären scheitern, geht es darum einzusehen, dass man es auch mit weiterem Investment nicht zu einem glücklichen Paar bringen würde. Das ist dann besonders hart, wenn ausgerechnet derjenige das sagt, mit dem man eben noch zum glücklichen Paar werden wollte.

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, darauf zu reagieren. Die nahe liegende ist die Frage nach dem Warum. Sie ist der Versuch, Unerklärbares erklärbar zu machen und führt zu Diskussionen mit Fragen wie: was ist Liebe? Und wozu ist sie da? Warum leben wir und hat das Universum ein Ende? Also Blödsinn.

Blödsinn auch deshalb, weil glückliche Paare sich diese Frage nicht stellen – oder sie gegebenenfalls mit einem «Darum» beantworten und anschließend guten Sex haben. Die Frage wäre also gleichzeitig die Antwort auf die Frage ohne sie wirklich zu beantworten. Anstatt sie zu stellen, könnte man eben so gut mit einem «Na, dann» dem Ende der Gemeinsamkeit zustimmen.

Doch bekanntlich geht das nicht ganz so einfach. Zentral für die Einsicht, dass aus der Idee vom «Wir» wieder ein «Ich» werden soll, ist die Erkenntnis der Möglichkeiten, die sich dem «Ich» durch die neue Situation bieten. Denn naturgemäß dürften diese vom «Wir» in mehr oder weniger umfangreichem Masse begrenzt gewesen sein.

Um es beim Namen zu nennen: «Ich» fragte in den letzten Wochen niemanden sonst, ob er mit mir etwas trinken oder essen, ins Kino oder tanzen gehen möchte und auch nicht, ob er mich küssen, mit mir schlafen oder falls es möglich wäre vielleicht ein Kind von mir wolle.

Wäre dem nicht so gewesen und hätte sich der Unterschied zwischen «Ich» und der Idee vom «Wir» lediglich durch das Wegbleiben vom «Du» gestaltet, hätte damit unter Umständen die Frage beantwortet werden können, warum eben dieses «Du» der Idee vom glücklichen Paar keine wirkliche Zukunft zugesprochen hätte. Ab so?

So bleibt die Erkenntnis der eröffneten Möglichkeiten, die manche über eine Flasche Vodka, andere mit einem Psychiater erlangen. Mir reichte dieses Mal ein Stück Papier und 2000 Zeichen.

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Johannes Sieber will ihn trotz den neuen Möglichkeiten. Für den Kuppler schreibt er einmal im Monat von der Banalität des Alltäglichen und hofft, damit seinen Beitrag zur Verbesserung der Welt getan zu haben.
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Bitte kein Buch!

January 1st, 2009

Seit ich denken kann, und vermutlich schon etwas davor, habe ich ein zwiespältiges Verhältnis zu Büchern. Meine Eltern wollten mir die Welt des Buches bereits in meiner frühen Kindheit schmackhaft machen und lasen mir vor dem Einschlafen pädagogisch korrekten Geschichten aus sozialen Verlagen vor. Ganz nach dem Präventionsgedanken: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr.

Vergebens: Abgesehen von einem pubertären Schub, der mich zwischen 13 und 14 die Gesamtwerke von Hesse, Frisch und Dürrenmatt verschlingen liess, konnte und kann ich’s mit Büchern einfach nicht. Ein Buch ist ein Buch ist ein Buch: Alle sind sie mir zu dick, zu klein gedruckt und dienen im Idealfall als Ersatz für hoch dosiertes Schlafmittel.

Mein belesenes Umfeld kann das nicht verstehen und empfiehlt mir heute noch Bücher oder schenkt mir gar welche zu Weihnachten. Ein wirklich guter Freund von mir sagte kürzlich: «Meine Eltern machten sich Sorgen, als ich anfing zu kiffen. Sie hätten sich sorgen machen sollen, als ich mit Lesen begann» Und er hat recht: Heute kifft er nicht mehr und nimmt auch sonst keine Drogen, liest aber in der Regel 7 Bücher auf einmal und versteckt sie voreinander unter Kissen und Kleidern, damit sie nicht voneinander erfahren, denn es würde sie eifersüchtig machen, wenn er an einem Abend in diesem, am Tag darauf im andern lesen würde. Hä?!

Darum reagiere ich ungehalten auf Verlage, die ihre rückläufigen Absatzzahlen mit dem Umstand begründen, die heutige Jugend lese keine Bücher mehr und hänge nur noch im Internet rum. Entschuldigung. 99.9% des bedruckten Papiers, das zwischen grauenhaft gestalteten Buchdeckeln herausgegeben wird, würde besser direkt zu WC-Papier weiterverarbeitet, als den Weg über Postfilialen zu machen, wo sie mit einem leuchtroten Bestseller-Kleber aufgewertet werden, auf dem ebenso gut «Scheisse» stehen könnte. Und sind wir doch mal ehrlich: Alles was es zur Welt zu sagen gibt, hat in einer Kolumne wie dieser Platz.

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Johannes Sieber teilt sich Wohnung und Bibliothek mit einem Oberlehrer in Deutsch und Geschichte. Für den Kuppler schreibt er einmal im Monat von der Banalität des Alltäglichen und hofft, damit seinen Beitrag zur Verbesserung der Welt getan zu haben.
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Partytime!

December 1st, 2008

Kürzlich bin ich auf Facebook der Gruppe „Over 30 and still Grooving, Clubbing and Enjoying Life!“ beigetreten. Ich mag Parties so sehr wie Cäsar seine Spiele mochte und ich wage zu behaupten, dass der gesellschaftliche Stellenwert der tanzorientierten Nachtaktivität kulturpolitisch aufs Gröbste unterschätzt wird. Und ja, wäre es nicht verboten, ich würde im Rahmen erwähnter Zusammenkünfte heute noch Gladiatoren aufeinander los gehen sehen wollen, anstelle der billigen Tanzperformances und den Visuals, die so wirken wollen, als wären sie auf LSD entstanden.

Die wenigsten sind es sich bewusst: Eine Party ist ein organisches Gefüge und durchlebt im Verlauf einer Nacht verschiedene Phasen. Am besten gefällt mir ihr Ende. Enden von Parties sind darum unheimlich schön, weil die wenigen, die bis zum Putzlicht tanzen, sich von der Nacht nicht lösen können. Sie wippen im Gleichtakt mit der Musik ins Morgengrau und sind irgendwie eins mit sich selber und dem Promillwert Alkohol in ihrer Blutbahn. Enden von Parties sind nie agressiv. Sie haben etwas melancholisch Trauriges, etwas Intimes sogar.

Im hässlichen Gegensatz dazu steht der Anfang einer jeden Party. Alle kommen später als die andern und beschweren sich, dass der Laden noch nicht voll ist. Gehemmt stehen sie herum, trinken einen Drink nach dem andern und trauen sich auch im hintersten Winkel nicht, auch nur mit dem Kopf zu wippen. Dafür braucht’s noch eine Stunde, ein paar Drinks.

Manchmal traut sich ein Wagemutiger vor und wirft sich sich mitten auf den Dancefloor. Dort zuckt er vor den Augen der Gehemmten unkontrolliert vor sich hin und denkt, damit die Party lanciert zu haben. Das Gegenteil ist der Fall: Die Gehemmten sagen sich: „Nein so wie der ganz bestimmt nicht, ist ja voll peinlich!“ und pilgern nochmals an die Bar.

Der Spiesbürger wird nun sagen: „Sehen Sie, diese Jugendlichen sind alle alkoholabhängig. Botellon und Alcopops und womöglich noch Sex im öffentlichen Raum. Und so was soll gesellschaftspolitisch mehr geschätzt werden?!“

Ja, genau.

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Johannes Sieber erklärt tanzorientiere Nachtaktivitär zur Hochkultur. Für den Kuppler schreibt er einmal im Monat von der Banalität des Alltäglichen und hofft, damit seinen Beitrag zur Verbesserung der Welt getan zu haben.
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